Ilka Bruse zu Gast im Museum of Arts and Design in New York

Was für eine Einladung –

zur LOOT im MAD in New York meinen Schmuck auszustellen.

MAD New York

Kuratiert von Bryna Pomp .

Bryna Pomp mit Schmuck von Ilka Bruse

Sie ist Ansprechpartnerin und großartige Hilfe während der gesamten Vorbereitungszeit und der Ausstellung selber.

Stolz und Freude – und dann die Arbeit.

Schmucktransport und Zoll, intensive Reise- und Ausstellungsvorbereitungen.

60 Stücke wollen gebaut werden.

4 Wochen vor Ausstellungsbeginn geht der Schmuck auf die Reise nach New York –

alles kommt heil an, der erste große Schritt ist getan.

Auch meine Anreise klappt wunderbar.

Ilka Bruse im MAD

3 Tage vor Ausstellungsbeginn Zeit in die Stadt einzutauchen – Atmosphäre erlaufen.

Ich werde aufgenommen, unaufgeregt und selbstverständlich Teil dieses Ortes zu sein.

Am vierten Tag Aufbau. Die Vitrinen stehen bereit , ein unglaublich hilfsbereites Mitarbeiterteam des Museum ebenfalls.

Zum Abschluss des Tages ein Empfang.

Michelle Cohen, Förderin des Museums, läd alle Aussteller in ihr beeindruckendes Stadthaus direkt am Central Park ein.

Am kommenden Tag Eröffnung.

Das Museum voller Fotografen und illustrer Gäste.

Ausstellungseröffnung
Foto: J. Bascom

Die Besucherinnen und Besucher auch an allen weiteren Ausstellungstagen – ein Fest für die Augen.

So schillernd bunt und mit so großer Lust am Schmücken.

Foto: J. Bascom

Foto: J. Bascom

Bryna Pomp mit Stilikone Iris Apfel
Foto: J. Bascom

Foto: J. Bascom

Zeit zum Austausch mit den Kollegen gibt es beim gemeinsamen Lunch.

So schillernd bunt und mit so großer Lust am Schmücken.

Eingeladen vom Museum  in die  Mitarbeiterküche  hoch über dem Central Park,

gibt es wunderbar Gelegenheit, miteinander in´s Gespräch zu kommen.

50 Aussteller aus über 20 Ländern – mit so unterschiedlichen Arbeiten und Materialien.

Eine inspirierende Zeit dort.

Was ich mit nach Hause nehme –

größer zu denken,

Spaß am Ausdruck, den ich mit meiner Arbeit erfinden kann

und ruhig auch mal  Lust an der Aufmerksamkeit

von Anderen und für mich.

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„An die Flasche geraten und hängengeblieben“- Portrait der Glaskünstlerin Sybille Homann

An die Flasche geraten und hängengeblieben“ – so fasst Sybille Homann ihre Biografie zusammen und meint es damit durchaus ernst. Die gebürtige Bremerin verarbeitet Altglas, vorwiegend Weinflaschen, zu puristisch-schönen Gebrauchsgegenständen, vom Leuchtobjekt bis zum Raumteiler. Seit 2016 ist die Glaskünstlerin Mitglied der AdK.

Das Zeug kannst Du vielleicht mal im Bioladen verkaufen“. Sybille Homann erinnert sich nur zu gut an die abschätzige Bemerkung eines HfbK-Professors, als sie Mitte der 1990er Jahre begann, in der Kunsthochschule am Lerchenfeld Flaschen zu zerschneiden und neu zusammenzusetzen.

An der Schleifmaschine

Doch sie ließ sich nicht beirren, schließlich war sie bereits eine gestandene Designerin, hatte nach dem Abitur in Bremen eine Tischlerlehre absolviert und fünf Semester Industriedesign an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel hinter sich. Doch das Studium in Kiel war ihr „zu verschult“, Sybille Homann wollte frei arbeiten, auch interessierte sie Glas mittlerweile mehr als Holz, gerade weil die Verarbeitung so schwierig ist: „Glas ist ein faszinierendes Material, aber man braucht lange, bis man es versteht“. Als die international renommierte Glaskünstlerin Ann Wolff 1993 nach Hamburg kam, um an der HfbK eine Professur anzunehmen, war für die Studentin klar, dass auch sie nach Hamburg musste. Bei Ann Wolff konnte sie endlich nach Lust und Laune experimentieren – leicht hatten es die Glaskünstler an der Kunsthochschule jedoch nicht. „Wir hatten keinen eigenen Ofen und haben deshalb nachts heimlich unsere Arbeiten in der Keramik gebrannt“, erinnert sich Sybille Homann. Und davon wären die Keramiker „gar nicht begeistert“ gewesen.

Blick in die Galerie

Eine Werkstattbeteiligung in Hohenhorst, unweit der Haseldorfer Marsch, folgte, auch einige Praktika in schwedischen Glashütten, wo Sybille Homann die Kunst des Glasschmelzens lernte, Wachsmodelle und verlorene Formen baute – doch ihren eigenen, unverwechselbaren Stil verdankt sie einer „Notlösung“, wie sie erzählt: „Ich brauchte irgendwann mal einen Messbecher und da ich keinen fand, schnitt ich kurzerhand den Hals einer Weinflasche ab“. Das Ergebnis war ein verblüffend formschöner Becher. Ein Schlüsselerlebnis für die Künstlerin. Sie erkannte das Potenzial, das in den Flaschen steckt und entwickelte eine Produktlinie. Endlich mal loslegen und sich nicht um die Finanzierung sorgen zu müssen, da das Grundmaterial im Überfluss vorhanden ist – und oftmals auch noch kostenlos. Ein nicht unerhebliches Argument, wenn man selbstständig ist und zudem noch alleinerziehende Mutter. Der Aspekt der Wiederverwertung gefällt Sybille Homann außerdem – Mitte der 90er Jahre gehörte sie damit sogar zur Avantgarde unter den angewandten Künstlern: „Als ich begann, mit vorhandenen Materialien zu experimentieren, war Recycling noch gar nicht angesagt und den Begriff Upcycling kannte noch keiner“, sagt Sybille Homann und lacht.

Seitdem hängt die Glaskünstlerin an der Flasche – obwohl Form und Farbe eher beschränkt sind: Wein-, Sekt-, Saft- und Wasserflaschen unterscheiden sich nur wenig, dann gibt es noch die kleineren Bierflaschen, sowie die markanten rundlichen Boxbeutelflaschen – und damit ist der Variantenreichtum auch schon ausgeschöpft. Auch die Farbpalette ist übersichtlich: Grün, braun und farblos sind die Regel, blaue und gar rote Flaschen eine kostbare Seltenheit. Für Sybille Homann ist die Begrenzung eine Herausforderung: „Es reizt mich einfach, mich auf die Formen einzulassen und sie immer neu zu interpretieren.“ sagt die Künstlerin, die nach Designstudium und mehreren Werkstattbeteiligungen heute eine Galerie auf St. Pauli betreibt. „Die einfache, klare Linie, wie man sie in den skandinavischen Ländern findet, liegt mir ohnehin viel mehr als das bunte, puttige Glas der Tschechen“. Wohl wahr. In ihrem Showroom und Atelier in der Kleinen Freiheit 46 dominiert die puristisch reduzierte Form. Dennoch gleicht kein Stück dem anderen. Jeder Becher, jeder Gießer hat seine individuelle Note, es scheint unendliche Variationen zu geben. Mitunter wirken die Tüllen wie riesige Schnäbel und geben den Gießern dann auch ihren Namen, wie „Pinguin“ oder „Schnabel“.

Materiallager

Eine ganze Wohn-Welt aus Glas. Wer will, kann sich hier komplett einrichten: Vom Kleiderhaken und Türgriff über Schalen und Kannen bis zu großformatigen Leuchtobjekten, Glastischen und Raumteilern ist alles zu finden. Selbst ein Bettgestell hängt an der Wand. Das allerdings stammt nicht von ihr, sondern von den Möbelherstellern performa aus Heilbronn. Sybille Homann stellt eine ganze Reihe befreundeter Künstler und Designer aus: Taschen von Noto aus Gusborn, Schmuck der Hamburgerin Ilka Bruse, Pfeffermühlen von Hergen Böttcher aus Bremen, Besteck von Latimeria aus Finnland. Was sie alle verbindet, ist ihre klare, elegante Designsprache und ihre hochwertige Verarbeitung. Perfektion muss sein, findet Sybille Homann, vor allem bei ihren eigenen Glasobjekten – „denn sonst ist es ja doch nur Altglas“.

 

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Handwerk ist Wirklichkeit

Nach seinem Aufsatz „Guck mal, was ich kann“ in unserem neuen AdK-Buch „Kunsthandwerk 4.0“ hat die Redaktion Nord Handwerk, das Magazin der Handwerkskammern Flensburg, Hamburg, Lübeck, Schwerin, den Hamburger Kulturwissenschaftler Jürgen Bönig zum Thema Handwerk und Digitalität befragt. Hier sein schönes Interview in der Februar-Ausgabe unter dem Titel: „Handwerk ist Wirklichkeit“.


»Handwerk ist Wirklichkeit« 

Wie geht das zusammen? Alle Welt macht auf digital, gleichzeitig begeistern sich immer mehr Menschen für handgemachte Produkte. Wir fragten den Kulturwissenschaftler Dr. Jürgen Bönig, besuchten fünf Handwerksbetriebe und bekamen Antwort.

Die Digitalisierung erfasst mit großer Dynamik nicht nur die Wirtschaft, sondern alle Lebensbereiche. Gleichzeitig erleben wir eine Renaissance des Analogen. „Handgemacht“ ist ein umsatzträchtiges Markenzeichen. Wie passt das zusammen?

Jürgen Bönig Das passt ganz gut zusammen. Die Begeisterung für das Virtuelle weicht der Erkenntnis, dass die Welt kein zahlenmäßiges Modell ist, sondern zunächst Materie. Der Verlust an Wirklichkeit wird als Mangel erfahren. Von jedem Einzelnen, besonders auch von Ausbildern. Die klagen nicht ohne Grund, dass viele junge Leute mit ausgeprägten motorischen Defiziten ihre Lehre antreten, dass sie nicht sequenziell denken können, ja manchmal nicht einmal mehr wissen, wie man eine umfallende Tonne aufhält.

Die Welt wird mit den Sinnen erfahren. Mit dem Körper lernen wir und entwickeln unsere Fertigkeiten. Das Handwerk ist die Stelle, an der tatsächlich auf die Welt eingewirkt wird. Daher kommt die Wertschätzung der Kunden für handgemachte Produkte. Und deshalb finden es so viele Menschen nach wie vor klasse, als Handwerker zu arbeiten. Handwerk hat immer das Moment, ich mache etwas echt. Handwerker sind keine besseren, aber irgendwie komplettere Menschen.

Trotzdem erscheint das Handwerk seinem Wesen nach als tradierter Gegenentwurf zur digitalen Ökonomie.

Bönig Das erscheint nur so. Tatsächlich ist das Handwerk längst dabei, sich zu öffnen. Das muss es auch. Es eröffnen sich doch großartige Chancen zum Beispiel bei digitalen Steuerungen. Die Herausforderung lautet, digitale Steuerungen und Werkzeuge für die eigene Arbeit zu erobern und zu formen.

Das ist jetzt sehr theoretisch.

Bönig Ein gutes Beispiel ist die Straklatte. Das ist eine biegsame Holzlatte, wie sie vor allem Bootsbauer verwendeten, um harmonische Linien ohne Beulen zu zeichnen. Die Straklatte gibt es als sehr komplexes digitales Werkzeug für den Computer. Vernünftigerweise sollte man dieses Werkzeug verwenden, aber auch kontrollieren können. Damit wird aber die Holzlatte nicht überflüssig. Das Computertool liefert nämlich nur ein numerisches Modell der Wirklichkeit. Ob es aber wirklich stimmt, lässt sich nur mit dem wirklichen Werkzeug prüfen. Um also mit dem digitalen Werkzeug arbeiten zu können, bleibt es notwendig, sich im physischen Raum mit den Dingen auseinanderzusetzen und entsprechende Kompetenzen zu erwerben. Noch deutlicher: Ich muss nicht den Fünf-Kilo-Hammer schwingen, wenn es eine digitale Entsprechung gibt. Ich brauche aber die handwerkliche Erfahrung mit dem echten Hammer, damit die Arbeit klappt.

Wir erleben aber eher, dass der technische Fortschritt Handwerksberufe mit langer Tradition vom Markt drängt.

Bönig Handwerker mit Leidensmiene, das ist für mich das Schlimmste, weil unproduktiv und nostalgisch. Nehmen Sie die Buchdrucker, von denen es ja immer noch einige gibt. Die lamentieren heute nicht mehr. Die haben eher die angemessene Haltung, wir können etwas Besonderes. Sie zeigen in Workshops dem Publikum, dass im Buchdruck Farbqualitäten erreicht werden, die schöner sind als im Offsetdruck. Darum geht es doch: bewahren, was bestimmte Qualitäten hervorbringt; handwerkliche Qualität überzeugend ans Publikum und an den Berufsnachwuchs bringen.

Durch den 3D-Druck werden vormals handgemachte Produkte, Unikate auf Knopfdruck reproduzierbar. Man kann darin eine Entwertung von Arbeit sehen.

Bönig Muss man aber nicht. Im 3D-Druck steckt ein unglaubliches Potenzial. Handwerk ist ja vielfach Einzelarbeit mit standardisierten Materialien. Das bedeutet Beschränkung, die durch CAD und 3D-Druck wegfallen wird. Digitale Steuerung ersetzt riesige Apparate. Aus der Fabrik wird man individuelle Produkte in Stückzahl eins bekommen. Ein Fensterbauer etwa wird nicht mehr gezwungen sein, mit 08/15-Profilen zu arbeiten. Das öffnet, weil ökonomisch und technisch möglich, enorme Gestaltungsräume.

Die Handwerkskunst besteht darin, Antworten auf die Frage zu geben, wie sich die neuen Möglichkeiten technisch und gestalterisch nutzen lassen.

Welche Entwicklung wird das Handwerk nehmen? Werden zukünftig immer mehr Berufe nur noch im Museum erlebbar sein?

Bönig Tradierte handwerkliche Fähigkeiten sind kein Museumsthema. Der Computer ist dümmer als eine Straklatte. Darum und weil die Wirklichkeit eben nicht virtuell ist, wird er Handwerk nicht ersetzen. Überliefern, digitale Technik integrieren und gleichzeitig den Berufsnachwuchs befähigen, aus dem handwerklichen Arbeiten heraus gute Gestaltung zu erreichen: Das ist mein Blick auf das Thema und in die Zukunft.

Jürgen Bönig

Zur Person: Dr. Jürgen Bönig ist Soziologe und Technikgeschichtler. Er arbeitet für die Stiftung Historische Museen Hamburg. Zahlreiche Ausstellungen im Museum der Arbeit, unter anderem zum grafischen Gewerbe und zum Maschinenbau, wurden von ihm eingerichtet.

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Persönlicher Nachruf auf unser langjähriges Mitglied Peter Bereck

Am 6. Dezember ist Peter Bereck gestorben.

Peter und seine Frau Heike führten lange Jahre ein großes Goldschmiedegeschäft in Leer, in dem sie auch spannende Ausstellungen veranstalteten.

Vor einigen Jahren übergaben sie ihr Geschäft an zwei jüngere Goldschmiedinnen und richteten sich in zwei kleinen, nebeneinander liegenden Häusern mit Wohnung und Werkstatt ein. Die beiden dazugehörenden Gärten wurden liebevoll zu einem Garten mit unterschiedlichen, schönen kleinen Winkeln und Ecken vereint. In diesen Gärten und in ihrer Werkstatt, führten Peter und Heike die Tradition der besonderen Ausstellungen fort. So haben wir uns kennengelernt. Die beiden luden mich und Carla Binter, mit der ich eine gemeinsame Werkstatt in Ottensen betrieb, ein, bei ihnen auszustellen.

Daraus entwickelte sich ein ganz besonderer Kontakt und eine Freundschaft, die mit großen zeitlichen Abständen auskam, aber wenn wir uns sahen oder miteinander telefonierten, war das Verstehen und der gemeinsame Humor sofort wieder im Spiel.

Im letzten Jahr fand nun die letzte Ausstellung bei Heike und Peter statt. Die beiden wollten ihre Werkstatt aufgeben, bzw. Heike noch reduziert weiterarbeiten.

Peter hatte sich aus dem Arbeitsleben zurückgezogen. Ansonsten war er hellwach, interessierte sich für Musik, Literatur, das Zeitgeschehen. Ich denke gerne an die Telefonate, wenn er mich zu Themen der AdK anrief, Informationen wollte und wir über Gott und die Welt redeten. Nach so einem Anruf fühlte ich mich immer bereichert und mein Tag war mit Freude gefüllt. Diese Anrufe fehlen mir. Peter würde sagen, sie finden jetzt auf einer anderen Ebene statt.

Betzendorf, den 15.12 2016

Cornelia Woitun

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