„Von der Natur können wir nur lernen“ – Dorothee Eymess im Gespräch über die Vorbereitungen der HWK Ausstellung „Animalisch“

Am 12. September wird die diesjährige Ausstellung „Animalisch“ der AdK und der GEDOK in der Hamburger Handwerkskammer eröffnet. Die Vorbereitungen sind im vollen Gange. Unser AdK Mitglied Dorothee Eymess stellt auf der Ausstellung unter anderem Münder aus Bronze, Silber und Gold aus. Und nach ihrer Idee entstand das Bild für die Einladung und für das Plakat.  Im Interview erzählt sie, wie es dazu kam und über die weiteren Vorbereitungen der Ausstellung.

Das Plakat zur Ausstellung "Animalisch". Foto: Lisa Ewald

Das Plakat zur Ausstellung „Animalisch“. Foto: Lisa Ewald

Frau Eymess, wie kam es eigentlich zu dem Titel „Animalisch“ für die diesjährige Ausstellung in der Handwerkskammer?

Frau Eymess: Das ist interessant. Es gab im letzten Jahr in Helsinki eine schöne Ausstellung mit dem Titel „ Inspired by nature“, die unseren Vorstand begeisterte und dazu inspirierte, eine Ausstellung über die Natur, über Tiere zu machen mit dem Titel „Animalisch“.  Auch „Tierisch“ war im Gespräch, aber es ging dem Vorstand um sehr unterschiedliche Deutungsmöglichkeiten und eine spannende Vielfalt. Wir wurden sehr frühzeitig darüber informiert und ich war natürlich erst erstaunt, fand es aber toll und interessant. Ich finde, das ist ein relativ gewagter Titel, weil er auch unterschiedlich aufgenommen werden kann.

Wie ging es dann weiter?

Frau Eymess: Im April haben wir uns alle zusammengesetzt und unser Vorstand hat die vielen tollen Sachen über den Begriff „Animalisch“ vorgelesen, die im Duden und im Internet zu finden sind und wir begeisterten uns immer mehr. Es galt, einen Einstieg zu finden, den Begriff, „Animalisch“ zu vertiefen und Ideen zu sammeln.  Die Dekoration für die Ausstellung war ja auch ein wichtiges Thema und wurde in Wochenend-Workshops bearbeitet. Ende Mai waren wir alle aufgerufen, Ideen und Fotos für die Flyer und das Plakat einzureichen.

Mund an Hundeohr: Ein weiterer Motivvorschlag aus der Bilderreihe von Dorothee Eymess. Foto: Klaus Loose

Mund an Hundeohr: Ein weiterer Motivvorschlag aus der Bilderreihe von Dorothee Eymess. Foto: Klaus Loose

Und zu Ihrem Vorschlag ist es dann gekommen.
Wie kam es zu diesem Motiv?

Frau Eymess: Meine Idee ist im Laufe des Tages gekommen. Meine Freunde waren zu Besuch und hatten ihren entzückenden Hund mitgebracht, der sich hier bei mir im Atelier hinlegte, ganz ruhig war, und wir konnten mit ihm machen, was wir wollten.  Wir konnten ihm Sachen ans Ohr hängen oder auf die Schnauze legen. Wir haben sehr viel Spaß dabei gehabt… Ich habe auch ganz normale Schmuckstücke ausprobiert,  aber es war nicht das, was ich mir vorstellte. Und da fielen mir die Münder ein, die ich habe und dann haben wir mit denen experimentiert.

Wieso ein Mund – gerade auch im Zusammenhang mit dem Titel „Animalisch“?

Frau Eymess:  Mit einem Mund verbindet man eine unglaubliche Vielzahl an Ideen und Vorstellungen. Und im Zusammenhang mit dem Titel „Animalisch“ denkt man vielleicht: Der Mund, der zeigt auch mal seine Zähne und beißt vielleicht irgendwo hinein – das ist alles möglich. Und dieser Mund hier, der hat sicherlich auch vieles auf Lager.
Und er ist auch ein handwerklich gearbeitetes Stück von mir. Es ist gar nicht so einfach, so einen Originalmund herzustellen und dies ist auch ein ganz besonders schöner Mund. Es gibt viele schöne Münder aber es ist gar nicht leicht, diese guten Proportionen zu finden. Das ist natürlich sehr wichtig für unser Handwerk, dass die Proportionen stimmen. Und das haben wir ja auch im Museum gesehen: Alles bewegt sich in guten Proportionen.

Vorbereitungen für die HWK Ausstellung "Animalisch: ein Besuch im Zoologischen Museum. Im Vordergrund Sibirische Löwen. Foto: Silja Böhm

Vorbereitungen für die HWK Ausstellung „Animalisch: ein Besuch im Zoologischen Museum. Im Vordergrund Sibirische Löwen. Foto: Silja Böhm

In der Vorbereitungsphase der Ausstellung sind Sie unter  anderem auch im Zoologischen Museum gewesen.

Frau Eymess: Ja, wir waren zweimal im Museum und auch  im Troparium in Hagenbecks Tierpark. Im Zoologischen Museum hat man uns beispielsweise nach Dienstschluss empfangen und uns zwei Stunden lang dort durchgeführt und die ganzen Tiere, Häute und Felle gezeigt. Das durften wir alles anfassen. Und wir haben festgestellt, dass alle Dinge, die dort ausgestellt sind, wie zum Beispiel kleine Nagerköpfchen mit ihren Zähnchen, von der Natur so gut gearbeitet sind, dass wir eigentlich nur noch von der Natur lernen können. Und als wir die Schlangenhäute angeguckt haben und gesehen haben wie schön das von der Natur gemacht worden ist, haben wir gesehen: Das passt unglaublich gut zu unserem Handwerk. Wir fanden das so einleuchtend, dass wir dieses Thema jetzt bearbeiten.

Und stellen Sie auch noch andere Werke aus?

Frau Eymess: Ja, ich habe noch zwei sehr schöne versteinerte Hölzer. Das sind Urhölzer, in denen mal Würmer waren und in der Versteinerung kann man das sehen. Das sind sehr interessante Strukturen. Ich bin gerade dabei, zwei Broschen daraus zu machen, die ich dann in Gold und Silber fasse. Dann werde ich noch einen silbernen Mund, den ich schwarz oxydiere, zusammen mit einem Fundholz ausstellen, das die Form einer Schlange hat. Aber da verrate ich noch nicht meine Idee, die dahinter steckt. …

Frau Eymess, wir danken Ihnen herzlich für das Gespräch und die Zeit, die Sie sich genommen haben.

Dorothee Eymess in ihrem Atelier in der Koppel 66. Foto: Michael Marczok

Dorothee Eymess in ihrem Atelier in der Koppel 66. Foto: Michael Marczok

„Animalisch“ Design – Handwerk – Kunst
Galerie Handwerkskammer Hamburg
Holstenwall 12

13. bis 21. September
Montag bis Samstag 11.00 bis 18.00 Uhr
Vernissage: Donnerstag, 12. September um 19.00 Uhr

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