Tadellose Mitbewohner und verschwiegene Geheimnisträger – Karen C. Wenzel im Gespräch über ihre „Fabelhaften Gefährten“

Karen C. Wenzel ist eines unserer drei neuen AdK Mitglieder. Die diplomierte Kommunikationsdesignerin hat sich entschlossen, ihr Leben ganz dem Kunsthandwerk zu widmen. Neben Wandobjekten, Grafiken und Kleinserien erschafft sie seit nunmehr über zehn Jahren „Fabelhafte Gefährten“ – charismatische Zeitgenossen aus Ton: tierisch, menschlich und poetisch. Ein Gespräch…

Karen C. Wenzel im Gespräch mit einer Fabelhaften Gefährtin Foto: Jens Fischer

Karen C. Wenzel im Gespräch mit einer „Fabelhaften Gefährtin“
Foto: Jens Fischer

Frau Wenzel, Ihre „Fabelhaften Gefährten“ sind eine rührende Mischung aus Mensch und Tier. Wieso?
Ich finde diese Verbindung höchst spannend. Diese Kombination hat eine endlose Bandbreite, um die verschiedensten Charaktere darzustellen.

Jeder Gefährte wird getauft. Diese hier heißt Loretta. Foto: Karen C. Wenzel

Jeder Gefährte wird getauft. Diese hier heißt Loretta. Foto: Karen C. Wenzel

Und wie ist der Werdegang eines Gefährten?
Mich inspiriert die Vielfalt der Menschen, ihre Körpersprache oder Gesten. Manchmal sind es aber auch Texte. Dann modelliere ich frei aus Ton die Plastiken, die dann gebrannt werden. Danach male ich sie an. Zum Schluss werden sie getauft und bekommen alle eine eigene Charakterstudie. Ungefähr sechs bis acht Zeilen. Wie ein kleines Zertfikat. Erst dann ist aus der Plastik ein „Fabelhafter Gefährte“ geworden. Alle werden fotografiert und archiviert – wie ein Familienalbum. Meine Kunden freuen sich auf ihren neuen Mitbewohner. Das macht mich zufrieden.

Wissen Sie eigentlich noch, wie die Gefährten in Ihr Leben gekommen sind?
Ja klar. Ich habe mal bei einem Kollegen sehr schöne aus Holz zusammenmontierte Tierfiguren gesehen. Die hatten es mir wirklich angetan. Von da an war mir klar: Ich will Persönlichkeiten schaffen. Der erste Versuch war Carlos. Der hat in mir etwas ganz Neues losgetreten. Der ist natürlich unverkäuflich und bleibt bei mir.

Wie viele Gefährten verweilen unter uns?
Inzwischen sind es ungefähr 280. Alle sind einzigartig. Die Körperhaltungen ähneln sich manchmal vielleicht ein bisschen. Aber durch die verschiedenen Tierarten und Klamotten sind sie im Grunde doch alle ganz anders.

Ihre „Fabelhaften Gefährten“ wirken sehr lebendig.
Ja, das merke ich auf Ausstellungen auch immer wieder. Die Menschen sind dann wirklich in Kommunikation mit ihnen. Das ist schon interessant, dass man es mit letztendlich kleinen Figuren hinbekommt, dass die Leute anfangen, sich Geschichten auszudenken.

Und was würden die Gefährten aus ihrem Leben erzählen? Gibt es welche unter ihnen, die schon richtig was erlebt haben?
Oh ja, ein Esel namens Felix ist der stolze Gefährte der Bildungssenatorin von Bremen geworden. Er hat es bis ins Fernsehen geschafft. Aber natürlich nur zufällig. Ich habe mal ein Interview mit ihr gesehen und da konnte man Felix auf ihrem Schreibtisch entdecken. Da sitzt er nun. Und eine andere schöne Geschichte passierte den Königsrindern. Sie wurden von einem verliebten Paar auserkoren. Nach ungefähr zwei Jahren erzählte mir das Paar, dass sie geheiratet haben und ein Foto von den Königsrindern auf die Einladungskarte gedruckt haben. Ich war sehr gerührt.

Blick ind Familienalbum: Silvie und ihre Charakterstudie. Foto: Karen C. Wenzel

Blick ins Familienalbum: Silvie und ihre Charakterstudie. Foto: Karen C. Wenzel

Sie fertigen Ihre Gefährten aus Ton. Was ist das Besondere für Sie an diesem Material?
In den ersten Jahren habe ich andere Materialien verwendet. Draht, Mullgips oder eine spezielle Modelliermasse. Dann habe ich Ton für mich entdeckt. Durch den Ton wurden die Gefährten dann kleiner und anders in ihrem Ausdruck. Ton ist ein natürliches Material. Ich kann formen, kneten, aufbauen und dann auch wieder was wegnehmen oder was reindrücken, Stempel zum Beispiel. Ich kann sehr detailliert arbeiten.

Was kostet eigentlich ein „Fabelhafter Gefährte“?
Zwischen 70 und ca. 300 Euro, je nach Aufwand und Größe.

Gefährten unter sich. Foto: Karen C. Wenzel

Gefährten unter sich. Foto: Karen C. Wenzel

Wo können wir Ihre Gefährten leibhaftig sehen?
Ich plane im August, in ein kleines Ladengeschäft zu ziehen. Aber während des Jahres nehme ich an ungefähr zehn Kunst- und Designmärkten teil. Am Pfingstsamstag und -sonntag bin ich auf dem Nikolaimarkt in Oldenburg. Im Juni sind die Thedinghauser Kunsttage, das ist eine Out- und Indoor–Kunstausstellung. Da werde ich im Renaissance Schloss mit den Gefährten und Bildern sein.

Frau Wenzel, vielen Dank für das Gespräch und viele Grüße an Ihre „Fabelhaften Gefährten“.

 

 

 

 

 

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