„Pure Gold. Upcycled! Upgraded“

Altkleider, Schrott, Plastikmüll – für viele Kreative wertvolle Rohstoffe, (fast) so kostbar wie Gold. „Pure Gold. Upcycled! Upgraded“ heißt deshalb auch die Ausstellung des Instituts für Auslandsbeziehungen, in der sich alles um die Wiederverwendung und Aufwertung von Abfall dreht. Die Design-Schau zum 100jährigen Bestehen der ifa feierte ihren Auftakt jetzt im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe. Ab Februar 2018 tourt sie dann für zehn Jahre um die Welt.

Die Zeiten sind vorbei, in denen wir gedankenlos produzieren können. Insbesondere im Bereich Design, der Branche mit „eingebautem Verfallsdatum“, wie Kurator Volker Albus erläuterte.

Wohl wahr! Gerade erst beendete die AdK Hamburg im Reinbeker Schloss ihre Schau über Nachhaltigkeit und Upcycling mit einem Symposium.

Nun führt die von Elke aus dem Moore organisierte ifa-Ausstellung auf internationaler Ebene vor Augen, wie virulent das Thema ist. Die 53 jungen Kreativen aus aller Welt (kuratiert von sieben KuratorInnen aus vier Kontinenten) zeigen die ganze Brandbreite des Upcycling – von einfachen Stühlen aus Ölfässern (Hamed Quattara, Burkina Faso) bis zu artifiziellen Objekten, wie dem Hocker aus Ananaspapier von Suan Kongkhunthian (Thailand). Oder den verspielt-zierlichen und hochherrschaftlich anmutenden Sitzmöbeln ihrer Landsfrau Saran Yen Panya, die ordinäre weiße Plastikkisten mit gedrechselten Holzstuhlbeinen im viktorianischen Stil kombiniert. Auch Brunno Jaharas Objekte sind bestechend einfach und phantasievoll zusammengesetzt: Der Brasilianer baut aus Plastiktellern, -Bechern und -Schalen, wie sie normalerweise in Ein-Euro-Shops verkauft werden, poppig-bunte Etageren. Memphis lässt grüßen.

Zwei Beispiele von vielen, die nicht nur in ästhetischer, sondern auch in sozialer und finanzieller Hinsicht von der Aufwertung durch Kreativität zeugen. Plastik, das Billigmaterial und Massenprodukt, wird hier gleichsam salonfähig und zum kostspieligen Unikat. Das gilt auch für die extravagante, kugelförmige Lampe von Paul Cocksedge. Der Brite verformt unter Hitze die weißen Trinkbecher, die überall zu haben sind und nach einmaligem Gebrauch millionenfach im Müll landen. Dicht an dicht setzt er die amorphen Formen in Handarbeit zusammen – zu Einzelstücken im vierstelligen Bereich. Sehr viel preisgünstiger sind da die bezaubernd schönen „Paper Table“ einer kleinen Kooperative aus Vietnam, die das Karlsruher Designer-Duo Gompf + Kehrer fair vertreibt. Die kegelstumpfförmigen Sockel bestehen aus geschichtetem Altpapier, die Platte aus Glas. Ein Spitzenprodukt: Klasse Design, robust und ein Hingucker in jedem Raum.

Isabelle Hofmann

Bis 21. Januar 2018,  Museum für Kunst und Gewerbe

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