Kunsthandwerk 4.0 – Das Buch zum Jubiläum

60 Jahre Arbeitsgemeinschaft des Kunsthandwerks Hamburg, 1956-2016, sind der Anlass dieser attraktiven Festschrift im Format 17 x 17 cm, herausgegeben von Isabelle Hofmann und gestaltet von Lidia Ketow. Sie gibt einen konzisen, wohl illustrierten Überblick über die aktuelle in der AdK organisierte Hamburger Kunsthandwerks-Szene. 81 Künstlerinnen und Künstler stellen sich vor, 60 davon leben und arbeiten in Hamburg, 21 außerhalb der Hansestadt zwischen Frankreich, Großbritannien, Hildesheim, Leer und Cuxhaven. Die Präsentation geschieht in dreifacher Weise:
zunächst und hauptsächlich in einem jeweils zweiseitigen Portrait mit Abbildungen von Werkstücken, Adresse, Foto und einem kurzen persönlichen Statement der Künstlerinnen und Künstler – zu Wort kommen hier besondere Vorlieben bei Material, Gestaltungsprinzipien oder Arbeitsweise, individuelle Motive, Anstöße, Passionen. Diese Portraits sind gegliedert in die sechs Arbeitsfelder Glas (drei Werkstätten), Holz (zehn), Keramik (12), Metall / Schmuck (40), Papier (drei) und Textil (13).

In ihrer knappen, bildorientierten Gestaltung sind die Portraits ein sprechendes, wirklich
gelungenes Kernstück dieses Buches. Ergänzend folgen alphabetisch geordnete Biogramme der Künstlerinnen und Künstler (S. 254-274), schließlich auch noch eine tabellarische Übersicht der Kontaktdaten (S. 275-282). Dieses Kompendium ist gleichermaßen informativ und zum Durchblättern und Stöbern attraktiv, ja anregend. Design- und Gestaltungs-affine Gemüter wie Genießer gediegenen bis kreativen Kunsthandwerks dürften in die eine oder andere Versuchung geraten.
Die Chiffre „4.0“ im Titel deutet an, dass der Band auch Reflexion anbietet zur Veränderung der handwerklichen Arbeitswelt, auch der Vertriebs- und Kommunikationswege im digitalen Zeitalter. In kurzen Beiträgen von Nils Jockel und Inga Ganzer und Interviews mit Daniel Michel und Nicolaus König werden faszinierende neue Fertigungsmöglichkeiten angesprochen – und stehen immer wieder Rückbesinnungen auf die Materialität der Gegenstände, auf die tradierten Techniken und die „Wechselbeziehung zwischen Kopf und Hand“ gegenüber. In ihrem Grußwort würdigt die 2016 noch amtierende Kultursenatorin Prof. Barbara Kisseler das Kunsthandwerk und die AdK in ihrem Wirken dafür, dass sie gleichermaßen „Ideenreichtum, technisches Können und Bewusstsein für Innovation“
(S. 8) verkörpern. Rüdiger Joppien wirft einleitend (S. 16-39) einen faktenreichen „(vorläufigen) Rückblick auf die Geschichte der AdK Hamburg“. Angeregt von anderen Bundesländern, in denen Anfang der 1950er Jahre Landesverbände für zeitgemäßes Kunsthandwerk gegründet und Ausstellungen organisiert wurden, war man zunächst mit finanzieller Unterstützung der Kulturbehörde auf die Frankfurter Frühjahrs- und Herbstmesse gegangen.

Am 4. April 1956 wurde die AdK dann ins Vereinsregister eingetragen und Gustav Schleede als erster Vorsitzender bestätigt. Maßgeblich beteiligt an der Gründung waren neben der Handwerkskammer das Museum für Kunst und Gewerbe, der Kunstgewerbe-Verein und die Landeskunstschule, seit 1955 Hochschule für bildende Künste. Joppien beschreibt detailliert u.a. die Geschichte des Ausstellungs- und Verkaufsraums im sogen. „Bauzentrum“ in der Esplanade 6, die jährlichen und Jubiläums-Ausstellungen, die Publikationen und die Schaffung des „Hauses für Kunst und Handwerk“ in der Koppel 66. Nachgezeichnet wird auch der Prozess nachlassender Aufmerksamkeit für das lokale Kunsthandwerk seit Anfang der 90er Jahre, als Internationalisierung, der Boom des Produktdesigns und auch Umorientierungen der Hochschulen und Museen die AdK und ihre Bemühungen in eine
„Defensivlage“ brachten. Eine stärker internationale Ausrichtung der Vermarktungsanstrengungen unter der Vorsitzenden Schnuppe von Gwinner war eine – durchaus erfolgreiche – Reaktion darauf.
Weitere Hamburger Ausstellungen und öffentlichkeitswirksame Aktivitäten schlossen sich an – mit welcher Perspektive, ist offen. Das gegenwärtige breite, qualitätvolle Angebot Hamburger Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerker repräsentiert dieser schöne markant-quadratische Band auf das Feinste.

Kunsthandwerk 4.0 : AdK Hamburg / herausgegeben von Isabelle Hofmann für die
Arbeitsgemeinschaft des Kunsthandwerks Hamburg e.V. – München, Hamburg (Dölling und Galitz),
2016. 283 Seiten, Illustrationen, 17 cm x 17 cm, 10.- EUR, ISBN 978-3-86218-093-6

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar