„Transit – Ideen auf der Durchreise“ – eine Ausstellung der AdK Hamburg in der Handwerkskammer am Holstenwall

Mache Themen liegen einfach in der Luft, sind mit einem Mal aktuell und werden dementsprechend fast zeitgleich von verschiedenen Institutionen aufgegriffen. Die AdK-Ausstellung „Transit – Ideen auf der Durchreise“ in der Handwerkskammer Hamburg ist so ein Fall. Parallel zu „Flow of Forms“ im Völkerkundemuseum zeigen hier mehr als 40 renommierte Gestalter/Innen aus Hamburg, sowie Gäste aus drei Kontinenten, wie der interkulturelle Dialog unsere zeitgenössische Formsprache geprägt hat. Nicht nur im Austausch mit Afrika, sondern weltweit.

Geisha von Kira Kotliar

Gibt es eine „typisch deutsche“, eine „typisch europäische“ Formensprache? Wer an (west-)europäische Design-Klassiker und die Wiege zeitgenössischer Gestaltung denkt, dem kommen als erstes der Deutsche Werkbund und das Bauhaus in den Sinn. Doch woher nahmen eigentlich die führenden Designer zu Beginn des 20. Jahrhunderts ihre Vorbilder? Kaum einer weiß, dass Karl Ernst Osthaus, Begründer des Museum Folkwang, um 1920 afrikanische Gefäße „als Beispiele des guten Geschmacks“ für den Deutschen Werkbund fotografieren ließ. Formen wohlgemerkt, die heute noch als „zeitlos modern“ angesehen werden. Das gleiche gilt auch für den chinesischen Gestaltungskanon. Handwerkskunst aus Fernost, Porzellan, Seide, Möbel und Architektur, waren bereits im 18. Jahrhundert beim europäischen Adel groß in Mode und haben unsere Ästhetik nachhaltig beeinflusst. Man denke nur an das puristisch elegante Zubehör der japanischen Teezeremonie. Die schlichten, schönen Kannen und Schalen werden längst nicht mehr als „exotisch“ empfunden, sondern haben unseren Alltag erobert.

Mit der Ausstellung „Transit – Ideen auf der Durchreise“ ruft die AdK Entwicklungen wie diese ins Bewusstsein und wirft dabei auch die Frage nach der kulturellen Identität auf. Denn gerade die Hamburger Arbeitsgemeinschaft des Kunsthandwerks versammelt eine Vielzahl kreativer Köpfe, deren zeitgenössische Arbeiten bei genauer Betrachtung jede Menge afrikanischer, asiatischer oder indigener südamerikanischer Inspirationsquellen aufweisen.

Germen-II-Vase von Emiliano Ceriz

Bei einigen Künstler/Innen sind diese Quellen auf den ersten Blick ersichtlich: Der Weber Andreas Möller beispielsweise nennt einen seiner Wollschals „Uruguay“ – und verweist damit schon im Titel auf das ornamentale Vorbild südamerikanischer Volkskunst. Andere Beispiele sind die japanisch anmutenden Tee-Services des Keramikers Jerry Jones, die in ihrer schwarz-roten Farbgebung nicht von ungefähr an die fürstlichen Lackschalen der Edo-Periode erinnern. Auch das alte Ägypten inspiriert zeitgenössische Kunsthandwerker/Innen immer wieder. Man denke nur an die braunen, gedrehten „Papyrus-Ketten“ von Claudia Römer. Oder die prachtvoll-verspielten Colliers, Anhänger und Ringe aus Gold und antiken Steinen von Wolfgang Skoluda, die direkt aus den Schatzschatullen von Nofretete zu stammen scheinen.

Bei anderen Designern lassen sich die Impulse ihrer Kreativität sehr viel schwerer ablesen. So sind die mit Schrift geprägten Silberbecher der Schmuckkünstlerin Kathrin Heinicke von den ornamentalen, alt-islamischen Wandtexten ägyptischer Moscheen angeregt. Und die leuchtenden Textil-Ketten aus langen, vielfach gewundenen Schnüren der Textilkünstlerin Ula Dahm erinnern an Naga-Ketten, obwohl die kleinen Volksgruppen in den Bergregionen Myanmars in Europa kaum bekannt sind.

Seidenkette von Ula Dahm

Doch wie sagten die alten Griechen gleich: Panta rhei, alles fließt. Gemeint ist fortwährende Veränderung. Und die gilt auch für das zeitgenössische Kunsthandwerk, deren Formensprache einem ständigen Ideen-Austausch rund um den Globus ausgesetzt ist.

Transit – Ideen auf der Durchreise“, Handwerkskammer Hamburg, Holstenwall 12, 20355 Hamburg. Eröffnung am 7. Juni, 19 Uhr. Laufzeit: 8. Juni- 22. Juni, Mo-Fr 10-20 Uhr, Sa und So 12 – 18 Uhr.

Eintritt frei.

Artist Talk mit dem argentinischen Silberschmied Emiliano Céliz in der Galerie Hilde Leiss, am 8. Juni, 9 Uhr, Großer Burstah 38, 20457 Hamburg.

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