Ausstellung „Transit“. Eine Nachlese von Isabelle Hofmann

Diese Ausstellung hatte Klasse. Nicht nur die angereisten Gäste aus China, Südafrika und Südamerika waren am Eröffnungsabend von „Transit – Ideen auf der Durchreise“ (7.-22. Juni 2018) in der Handwerkskammer Hamburg begeistert. Der großartigen Hamburger Chor „VoiceConnection! unter der Leitung von Mayya Rosenfeldt“, die rappelvolle Galerie und die vielen strahlenden Gesichter vor, zwischen und hinter den hochkarätigen Exponaten der 40 Kunsthandwerker/Innen hinterließen bleibenden Eindruck. Die darauffolgenden 14 Ausstellungstage enttäuschten jedoch in Punkto Besucherzahlen erheblich. Woran der geringe Zuspruch lag? An mangelnder Werbung sicherlich nicht. Vielleicht war das Wetter ja einfach zu schön.

Der Hamburger Chor „VoiceConnection!“

Konzentrieren wir uns also auf den Eröffnungsabend, denn der war wirklich ein Highlight. Man konnte glatt vergessen, dass zeitgleich die Triennale der Fotografie in den Deichtorhallen eröffnet wurde, so voll war es an diesem denkwürdigen Abend des 7. Junis in der Galerie der Handwerkskammer.

Die Reden von Dr. Pit Hosak (Abteilungsleiter Kunst, Kreativwirtschaft und Kulturprojekte der Kulturbehörde Hamburg) und Thomas Rath (Vorstandsmitglied der Handwerkskammer Hamburg) waren kurz und knackig und die Songs aus unterschiedlichen Kulturkreisen von VoiceConnection! klangen hinreißend in dem schönen Ambiente des Schumacher-Baus. Was Wunder, das sich die Gäste der „Transit“-Schau, die Keramikerinnen Yin Hang, Lele Zhang (Peking) und Zizipho Poswa (Kapstadt), sowie der Silberschmied Emiliano Céliz (San Martin de los Andes, Patagonien) begeistert zeigten von diesem Ausstellungsauftakt.

Die Internationalen Gäste mit den diesjährigen Preisträgern und die Vorstandsvorsitzende der AdK Isabelle Hofmann

Wie üblich, wurden auch in diesem Jahr Auszeichnungen vergeben, die zuvor juriert wurden. Ane Sigrun Wiese, Referentin Veranstaltungsmanagement und Marketing der HWK, die Keramikerin Roswitha Winde-Pauls und die Hamburger Künstlerin Sabine Mohr waren in diesem Jahr die Juroren, denen die AdK Hamburg auf diesem Wege nochmals herzlich dankt.

Den Preis in Höhe von 800 Euro für das beste Einzelstück der Handwerkskammer Hamburg erhielt die Gold- und Silberschmiedin Kathrin Heinicke für ihr Ensemble „Idee über See, Indien-Holland-Nordfriesland“, das aus Teekanne, Tablett, Sahne- und Kandisschälchen besteht und auf die Ursprünge der Teekultur in Ostfriesland verweist. Demnach waren es die Torfstecher, die den Tee entdeckten, denn er machte das torfige Wasser genießbar und hielt zudem die Arbeiter länger wach. In der Begründung der Jury heißt es: „Die einzelnen Bestandteile ihrer Arbeit unterstreichen durch formale Linienführung, handwerkliche Gestaltung und den Einsatz verschiedener Materialien (Silber, Glas, Holz) den Inhalt ihrer Geschichte, die davon erzählt, wie der Tee nach Nordfriesland kam“.

Der Förderpreis der AdK Hamburg ging an den Tischler Markus Rehwald für seinen Paravent „Intimität“ aus Holzabfällen, die normalerweise in den Ofen wandern. Vorbild war eine Tischlerei aus Äthiopien, die mit den einfachsten Methoden noch geschäftstaugliche Möbel herstellt. Als Begründung schrieb die Jury: Der Paravent überzeugt durch seine handwerkliche Verarbeitung, den maximal sparsamen Einsatz des Werkstoffes und seine körperlichen Dimensionen. Er zeigt, dass unperfekte Materialien durchaus einen ästhetischen und gestalterischen Wert erzeugen können.“

Isabelle Hofmann überreicht Markus Rehwald den Preis

Den Sonderpreis der AdK Hamburg ging an die Gast-Künstlerin Lele Zhang aus China. Die Jury überzeugten die drei Gefäßobjekte, Circle Cycle‘ „in ihrer großen Klarheit, ihrem Spiel mit Kontrasten in Material, Form und Farbe, die einen fast meditativen Sog ausüben. Es scheint, als könnten sie die Betrachter aus einem turbulenten Umfeld in eine ruhigere Atmosphäre eintauchen lassen.“

Die AdK Hamburg gratuliert den Preisträgern an dieser Stelle nochmals sehr herzlich und dankt vielmals der Hapag Lloyd Stiftung, die diese Preise erst möglich gemacht hat!

Der Artist-Talk mit Emiliano Céliz am nächsten Abend in der Galerie Hilde Leiss war – trotz Hitze und Freitagabend – ebenfalls gut besucht und gab interessante Einblicke in die ungewöhnlich schönen Silber- und Kupfergefäße des Argentiniers. In seiner Videopräsentation verwies er auf die Geschichte Südamerikas und auf die Bevölkerungsgruppen der Kreolen, die während der Kolonialzeit entstanden. So, wie durch die Europäer und die indigene Bevölkerung eine neuer Menschenschlag entstand, müssten auch die Kunsthandwerker/innen immer neue Einflüsse aufnehmen, um sich weiterzuentwickeln, findet Emiliano Céliz: „Wir sollten alle Kreolen sein“.

Emiliano Céliz im Gespräch mit Keramikerin Silke Decker

Wie stark außereuropäische Kulturen westliches Kunsthandwerk bereits beeinflusst hat, wie sehr die Hamburger Kunsthandwerker/Innen Emilianos Aufforderung längst beherzigt haben – das zeigten die hochkarätigen Exponate der „Transit“-Ausstellung ganz hervorragend. Demnach bieten die angewandte Kunst Chinas, Japans und Indonesiens eine der größten Inspirationsquellen. Das lässt sich an den eleganten, japanisch angehauchten Gewändern von Anita Braun ebenso ablesen, wie an der Origami-Tasche von Anna-Karin Garbe, den ausgefallenen Netz-Kimonos von Ulrike Isensee, den feinen Abendtäschchen aus Papiergewebe von Silke Janssen, oder den edlen Holzschalen von Hermann Savary, deren Maserung teilweise an die Landschaftsmalerei Japans denken lässt.

Auch im Schmuck sind viele fernöstliche Einflüsse erkennbar. Die minimalistischen Objekte der Silberschmiedin Claudia Christl gehören ebenso dazu, wie die Serviettenobjekte von Grudrun Maass, die Netsukes von Nina Helms oder die doppelköpfigen Ringe der Serie „Nippon“. Karen Knickrehm hat hier Scherben einer mit japanischen Motiven bedruckten Porzellantasse mit Glasperlen, Rosenquarz und Kieselsteinen kombiniert.

Völlig verinnerlicht hat Svea Imholze das ästhetische Verständnis der Japaner, das eng mit dem Zen-Buddhismus in Verbindung steht. Wabi-Sabi heißt dieses Schönheitsideal, das nicht die offenkundige Schönheit preist, sondern die gebrochene, versteckte, die sich unter der Hülle des Unscheinbaren verbirgt. Dementsprechend herb und schlicht wirken ihre zarten Ohrringe in Blütenform, deren Reize sich erst allmählich offenbaren.

Die ornamentalen Mosaike der islamischen Kunst, die geometrisch stilisierten Blüten- und Stern-Motive, Rosetten und Spiralen, bilden die zweite große Inspirationsquelle zeitgenössischen Kunsthandwerks. Anschaulich vor Augen führten das das unter anderem die handgeschöpften Papierarbeiten in den Farben und Mosaiken Samarkands von Sigrid Vollmer, die filigranen Ringen, Anhänger und Broschen von Annette Kutz, die Quadrat-Ringe mit Goldperlen von Silvia Bunke und die fragile weiße Schale von Silke Decker . Kongenial zu den orientalischen Mosaiken entwickelte die Keramikerin die Technik des Kordelporzellans: Ein Gerüst aus Wollfäden wird Gießporzellan überzogen. Die daraus entstehenden Gefäße wirken wie gestrickt und federleicht.

Einen ganz ungewöhnlichen und originellen „Clash der Kulturen“ bot der „Sarifischer“ der Schmuckkünstlerin Michaela Paula Alt in Zusammenarbeit mit der Modedesignerin Annette Rufeger. Diese nähte ein traditionell indisches Kleidungsstück aus dem typischen, blau-weißen Streifenstoff der Finkenwerder Fischerhemden. Michaela Paula Alt dekorierte das Gewand mit einer antiken Sari-Kette, die sie umarbeitete und mit einem kleinen Anker-Verschluss versah. Das Ergebnis war eine echte Symbiose von indischer und hamburgisch-maritimer Tradition. Vielleicht wird das ja noch Schule machen.

Abschließend bleibt nur noch unseren Förderern zu danken:

Die großzügige Unterstützung der Hamburger Kulturbehörde, der Handwerkskammer Hamburg, der Hamburg Kreativ Gesellschaft, des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa), der Hapag Lloyd Stiftung und Schiefer & Co. haben die AdK-Ausstellung „Transit – Ideen auf der Durchreise“ ermöglicht. Die AdK Hamburg dankt von Herzen!

 

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