„Kunst Schaffen“ aller Sparten in Flensburg

Die Robbe & Berking Werft lädt zu einer ungewöhnlichen Ausstellung, an der auch neun Mitglieder der AdK Hamburg teilnehmen

Theater-Livestream, Konzert-Livestream, Poetry-Slam-Livestream. Oliver Berking, Gründer und Inhaber der Flensburger Robbe & Berking Werft, hatte genug von Kultur via Bildschirm. Im werfteigenen Museum eröffnet er heute Abend die Ausstellung „Kunst Schaffen 2020 – Begegnungen mit Kunst und Künstlern“ – unter ihnen neun Mitglieder der AdK Hamburg.

Keine Spur von Stillstand. Oliver Berking steht unter Strom, das merkt man beim ersten Satz unseres Telefonats. Die Zeit drängt, in wenigen Stunden wird er eine in mehrfacher Hinsicht ungewöhnliche Ausstellung eröffnen. In der Werfthalle warten bereits Künstler und Journalisten, Karin Prien, Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein hat die Schirmherrschaft übernommen, auch die Oberbürgermeisterin Simone Lange hat zugesagt. „Die Künstler sind ganz high“, sagt der Chef der international renommierten Flensburger Silbermanufaktur, der 2008 das Familienunternehmen mit dem Bau von klassisch-eleganten Holz-Yachten um ein neues Geschäftsfeld erweiterte. „Wir haben die Ausstellung wirklich aus dem Boden gestampft und sicher viele vergessen, aber es sollte schnell gehen und es wird bestimmt toll“.

Werftchef Oliver Berking

Bestimmt! Normalerweise haben Gruppenausstellungen diese Güte einen monatelangen, wenn nicht jahrelangen Vorlauf. Schließlich ist es auch ohne Corona ein logistischer Kraftakt, rund 60 Künstler*innen zusammenzubringen – im Gepäck ihre Werkbänke und Staffelleien, denn sie sollen in der Flensburger Werft nicht nur ausstellen, sondern wochenlang vor Ort arbeiten und verkaufen – auf 1800 Quadratmeter Ausstellungsfläche in einer riesigen gläsernen Halle. Andererseits: Eine solche Schau in gerade mal vier Wochen auf die Beine zu stellen, ist vielleicht nur in Corona-Zeiten möglich, in denen der „normale“ Ausstellungsbetrieb am Boden liegt, lang geplante Ausstellungen abgesagt wurden und viele Termin-Löcher klaffen. Denn eines ist klar, nach zwei Monaten „Corona-Winter“: Künstler wie Kunstkonsumenten „dürsten nach analogem Kulturgenuss“ (Karin Prien).

Foto Claudia Westhaus, Blick in die Ausstellung

Es war noch mitten im Lockdown, als sich Oliver Berking den Kopf darüber zerbrach, wie er Kunstschaffenden in der Krise helfen könnte. Nicht unter der Dusche, bei einer Fahrradtour kam ihm die Idee, so bald wie erlaubt eine „Initialveranstaltung“ in Sachen analoger Kunstgenuss zu starten. Als die ersten Lockerungen in Sicht waren, begann er „bei einem Kaffeetrinken“ mit Thomas Gädeke, dem früheren Direktor des Landesmuseums Schloss Gottorf, eine Liste von 60 Künstler*innen zusammenzustellen. Erklärtes Ziel: Die Auswahl soll das gesamte norddeutsche Kunstgeschehen präsentieren – alle Sparten, wohlgemerkt! So ist nun die angewandte Kunst in der Ausstellung ebenso stark vertreten, wie Bildhauerei, Malerei und Grafik. Und in allen Bereichen sind bekannte Namen dabei: Die Bildhauerin Almut Heer beispielsweise, ebenso die „Norddeutschen Realisten“, vertreten durch Johannes und Tobias Duwe, Erhard Göttlicher, Andre Krigar, Meike Lipp, Lars Möller und Nikolaus Störtenbecker.

Werke von Tobias Duwe, Andre Krigar, Nikolaus Störtenbecker, Johannes Duwe, Meike Lipp, Lars Möller, Almut Heer und Erhard Göttlicher v.l.o.n.r.u.

Unter den angewandten Künstler*innen fallen die Keramiker*innen Eva Koj, Inke und Uwe Lerch, ins Auge, der Holzgestalter Hubert Steffe aus Bremen, sowie neun Künstler*innen der Hamburger Arbeitsgemeinschaft Kunsthandwerk (AdK Hamburg).

Werke von Eva Koj, Hubert Steffe und Uwe und Inke Lerch v.l.o.n.r.u.

Hutmacher Peter de Vries ist dabei, Tischlerin Ragna Gutschow, sowie Svea Imholze, Ulla und Martin Kaufmann, Gerda und Wilfried Moll, Wolfgang Skoluda und Claudia Westhaus. Alle sieben sind Gold- und Silberschmiede-Meister*innen, also Vertreter jener Sparte, in der sich Oliver Berking bestens auskennt.

Für Wilfried Moll ist die Fahrt nach Flensburg übrigens etwas wie ein Heimspiel. Vor Jahren hat Moll für Robbe & Berking das vielfach ausgezeichnete Besteck „Alta“ entworfen, einen „Klassiker der Moderne“, der es sogar ins New Yorker Museum of Modern Art geschafft hat.

Werke von Gerda und Wilfried Moll, Claudia Westhaus, Peter de Vries, Svea Imholze, Ragna Gutschow, Martin und Ulla Kaufmann v.l.o.n.r.u.

Moll ist einer der ältesten Aussteller von „Kunst Schaffen“, doch Angst vor dem Virus braucht er nicht zu haben, denn das Hygienekonzept ist genaustens durchdacht: „Wir haben den Boden mit 1,50 mal 1,50 Meter großen Feldern abgeklebt, damit jeder Besucher ein Gefühl für den notwendigen Abstand bekommt“, sagt Berking. Wer keinen Mundschutz dabei hat, bekommt einen gestellt. Außerdem bekommt jeder Besucher ein Paar weiße Silberschmiede-Handschuhe. So können die Exponate in die Hand genommen werden, ohne dass das Objekt hinterher desinfiziert werden muss. Aber sicher werden die Besucher nicht alle Objekte wieder aus der Hand geben. Schließlich darf man sie auch käuflich erwerben.

„Kunst Schaffen“, 27. Mai – 21. Juni 2020, ROBBE & BERKING, YACHTING HERITAGE CENTRE, Harniskai 13/Ecke Am Industriehafen 5, 24937 Flensburg, Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11:00 – 18:00 Uhr, Montag (außer Pfingstmontag) geschlossen. Der Eintritt ist frei!

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.