Messen 2017

„Alle Jahre wieder kommt …“ Wohl wahr. Zuvor aber kommen die Weihnachtsmärkte, die an jeder Ecke, an jedem Platz, mit Glühwein, Lebkuchen und Geschenkartikeln locken. Mehr Klasse als Masse garantieren da die Ausstellungen angewandter Kunst in Hamburgs Museen und anderswo.

Weihnachtsmesse im Altonaer Museum (15-17.12.), Ökologischer Weihnachtsmarkt im Museum der Arbeit (1.-3.12), Weihnachtsmarkt im Freilichtmuseum am Kiekeberg (1.-3. Und 8.-10.12.) – in fast jedem Hamburger Museum sind in diesen Tagen Kunsthandwerker zu Gast. Erste Adresse für die Crème de la Crème des Berufstandes ist seit über 130 Jahren die Messe „Kunst und Handwerk“ im MKG, dem Museum für Kunst und Gewerbe. Dieses Jahr sind hier interessante Neuzugänge im Bereich Papier auszumachen, insbesondere die zarten, weißen Bestattungsgefäße der Leipzigerin Kristina Rothe fallen ins Auge. Sehr ungewöhnlich auch die architektonisch anmutenden Schachtel-Objekte von Richard Schillings, die den Bereich Holz um einen neuen, spannenden Aspekt bereichern. Glas fehlt leider ganz. Dafür ist dem Nachwuchs aus England und Österreich viel Platz eingeräumt: Auf der Hochschulplattform sind dieses Jahr das Royal College oft Art London und der Werkraum Bregenzerwald zu Gast.

Holzobjekte von Richard Schillings

Holzobjekte von Richard Schillings

Obwohl die Messe schon längst nicht mehr auf Norddeutschland beschränkt ist, sondern nationale und internationale Künstler einlädt, präsentiert sich die Fraktion der AdK Hamburg in diesem Jahr besonders stark. Unter den insgesamt 70 Teilnehmern zeige 15 Mitglieder der Hamburger Arbeitsgemeinschaft des Kunsthandwerks ihre hochkarätigen Werke: Papierkünstlerin Kira Kotliar, die Goldschmiede Babette von Dohnanyi, Anke Gralfs, Ulla und Martin Kaufmann, Claudia Westhaus und Wolfgang Skoluda, Keramikerin Katharina Böttcher, die Hutmacherinnen Karin Irmer und Eike Schnatmann sowie Textilkünstlerin Ulrike Isensee. Das Gewerk Holz wird von Hendrike Farenholtz, Ragna Gutschow und Gunter König würdig vertreten.

Keramikerin Katharina Böttcher

Hutmacherin Karin Irmer - im Hintergrund Goldschmiedin Ulla Kaufmann

Hutmacherin Karin Irmer – im Hintergrund Goldschmiedin Ulla Kaufmann

Ragna Gutschow vor ihrem Möbel

Ragna Gutschow vor ihrem Möbel

Auch der renommierte Justus Brinckmann Preis ging in diesem Jahr an ein langjähriges AdK-Mitglied, und zwar an den Weber Andreas Möller. Begründung der Jury:

 „Der bereits seit 1996 an der Messe teilnehmende Hamburger überzeugte die Jury nicht nur mit seinen raffiniert gewebten Textilarbeiten. Indem er neue, fortschrittliche Webtechniken und -stühle entwickelt, sorgt Möller mit verschiedenen Projekten u.a. in Entwicklungsländern dafür, alte Handwerkstraditionen wieder aufleben zu lassen“.

Justus Brinckmann Preisträger Andreas Möller

Justus Brinckmann Preisträger Andreas Möller

Andreas Möller Preisverleihung

Verleihung des Justus Brinckmann Preises an Andreas Möller

Bis 3.12.2017, Di-So 10-18 Uhr, Museum für Kunst und Gewerbe Steintorplatz 1, 20099 Hamburg.

Nur ein paar Meter vom MKG entfernt, in der Langen Reihe Nr. 47, bieten mehr als 20 Kunsthandwerker/Innen „Drei Monate Gestaltung außer der Reihe“. Auch hier sind knapp die Hälfte der Aussteller/Innen AdK-Mitglieder, und das heißt: Hier wird Kunsthandwerk auf höchstem Niveau geboten – und das zu moderaten Preisen. Hier sind kleidsame Hüte von Angelika Löbering zu finden, asiatisch anmutendes Geschirr von Jerry Johns oder die delikaten Holzdosen von Hermann Savary. Einzigartig auch die dekorativen Seidenketten von Ula Dahm, die originellen Glasobjekte von Sybille Homann oder das fröhliche Kindergeschirr von Cornelia Woitun. Michaela Paula Alt, Karen Knickrehm und Marjon Reinsberger präsentieren ausgefallene Schmuck-Unikate – und wer einen Lebensbegleiter sucht, egal ob klein oder groß, findet ihn sicher unter den liebenswerten Viechern aus verfilzter Schafwolle von Susanne Wetzel. Kurz: Hier ist alles zu finden, was das Leben schöner macht.

Bis 13. Januar 2018, Lange Reihe 47, Di-Sa 12-19 Uhr, im Advent auch montags geöffnet.

Dieses Motto gilt auch für die Messe nebenan, in der Langen Reihe 75. Hier befindet sich der Durchgang zur Koppel 66, dem denkmalgeschützten „Haus für Kunst & Handwerk“. Seit 1981 ist die ehemalige Maschinenfabrik Sitz von 12 Werkstätten und Ateliers. Die rund 20 Künstlerinnen und Künstler, die hier arbeiten, stellen sich dezidiert gegen Massenproduktion und legen auch auf den beiden Verkaufsmessen (Frühling- und Advent) Wert auf Spitzenqualität und Originalität. In dieser Zeit ist das Haus über alle drei Geschosse mit Kunsthandwerk förmlich geflutet. In diesem Winter  präsentieren 45, von einer Fachjury ausgewählte Gäste aus Deutschland, Österreich, Dänemark und England ihre Objekte. Unter ihnen die beiden Keramiker-Großmeister Joachim Lamprecht (war gerade auf der Grassi Messe in Leipzig zu sehen) und Martin McWilliam, der früher mehrmals auf der MKG-Messe zu sehen war.

Bis 17.12. an den drei ersten Adventswochenenden, Koppel 66, Lange Reihe 75. Freitag bis Sonntag, 11-19 Uhr.

Isabelle Hofmann

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„Pure Gold. Upcycled! Upgraded“

Altkleider, Schrott, Plastikmüll – für viele Kreative wertvolle Rohstoffe, (fast) so kostbar wie Gold. „Pure Gold. Upcycled! Upgraded“ heißt deshalb auch die Ausstellung des Instituts für Auslandsbeziehungen, in der sich alles um die Wiederverwendung und Aufwertung von Abfall dreht. Die Design-Schau zum 100jährigen Bestehen der ifa feierte ihren Auftakt jetzt im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe. Ab Februar 2018 tourt sie dann für zehn Jahre um die Welt.

Die Zeiten sind vorbei, in denen wir gedankenlos produzieren können. Insbesondere im Bereich Design, der Branche mit „eingebautem Verfallsdatum“, wie Kurator Volker Albus erläuterte.

Wohl wahr! Gerade erst beendete die AdK Hamburg im Reinbeker Schloss ihre Schau über Nachhaltigkeit und Upcycling mit einem Symposium.

Nun führt die von Elke aus dem Moore organisierte ifa-Ausstellung auf internationaler Ebene vor Augen, wie virulent das Thema ist. Die 53 jungen Kreativen aus aller Welt (kuratiert von sieben KuratorInnen aus vier Kontinenten) zeigen die ganze Brandbreite des Upcycling – von einfachen Stühlen aus Ölfässern (Hamed Quattara, Burkina Faso) bis zu artifiziellen Objekten, wie dem Hocker aus Ananaspapier von Suan Kongkhunthian (Thailand). Oder den verspielt-zierlichen und hochherrschaftlich anmutenden Sitzmöbeln ihrer Landsfrau Saran Yen Panya, die ordinäre weiße Plastikkisten mit gedrechselten Holzstuhlbeinen im viktorianischen Stil kombiniert. Auch Brunno Jaharas Objekte sind bestechend einfach und phantasievoll zusammengesetzt: Der Brasilianer baut aus Plastiktellern, -Bechern und -Schalen, wie sie normalerweise in Ein-Euro-Shops verkauft werden, poppig-bunte Etageren. Memphis lässt grüßen.

Zwei Beispiele von vielen, die nicht nur in ästhetischer, sondern auch in sozialer und finanzieller Hinsicht von der Aufwertung durch Kreativität zeugen. Plastik, das Billigmaterial und Massenprodukt, wird hier gleichsam salonfähig und zum kostspieligen Unikat. Das gilt auch für die extravagante, kugelförmige Lampe von Paul Cocksedge. Der Brite verformt unter Hitze die weißen Trinkbecher, die überall zu haben sind und nach einmaligem Gebrauch millionenfach im Müll landen. Dicht an dicht setzt er die amorphen Formen in Handarbeit zusammen – zu Einzelstücken im vierstelligen Bereich. Sehr viel preisgünstiger sind da die bezaubernd schönen „Paper Table“ einer kleinen Kooperative aus Vietnam, die das Karlsruher Designer-Duo Gompf + Kehrer fair vertreibt. Die kegelstumpfförmigen Sockel bestehen aus geschichtetem Altpapier, die Platte aus Glas. Ein Spitzenprodukt: Klasse Design, robust und ein Hingucker in jedem Raum.

Isabelle Hofmann

Bis 21. Januar 2018,  Museum für Kunst und Gewerbe

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Geld oder Leben. Symposium der AdK Hamburg zum Thema Nachhaltigkeit

So interessant und inspirierend! Das muss man unbedingt wiederholen!“ Der Tag war lang, acht Vorträge in fast zehn Stunden – doch die rund 50 Teilnehmer des zweiten AdK-Symposiums waren durch die Bank zufrieden. Zum Abschluss der AdK-Ausstellung „Geld oder Leben – Nachdenken über Nachhaltigkeit“ im Reinbeker Schloss sprachen dort Künstler, Ingenieure, Handwerker und Kaufleute über den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen, über nachhaltige Entwicklungshilfe und alternative Bau- und Arbeitsweisen. Das Ergebnis: Spannende Einsichten rund um ein Thema, das angesichts des Klimawandels immer bedeutender wird.

Steigt der Meeresspiegel um nur einen Meter an, so wären allein in Deutschland 1,5 Millionen Menschen davon betroffen, müssten Haus und Hof verlassen und wären ihrer Lebensgrundlage beraubt, da Quadratkilometer fruchtbarer Marschlande unter Wasser stünden. Die Prognosen, die der Energie- und Umweltexperte Arnold Tolle in seinem Impulsvortage: „Klimawandel: Nachdenken reicht nicht. Wir müssen handeln – jeder und jetzt“ im Reinbeker Schloss aufzeigte, alarmieren. Was das für die gesamte Weltbevölkerung bedeuten würde, möchte man sich gar nicht ausrechnen. Schon jetzt werden die Wüsten immer heißer und die Tornados immer verheerender – „gefüttert“ durch immer mehr warme Luft, die aus den erwärmten Meeren aufsteigt, sich mit den Wolkenmassen aus der kalten Luft der Atmosphäre vermengt und dann – im Sog der Erdrotation – zu wirbeln beginnt.

Umdenken ist angesagt. Und Handeln. Und das beginnt, wie Arnold Tolle ausführte, bei jedem Einzelnen: Statt Kurzstreckenflüge lieber die Bahn nehmen, in der Stadt mehr Rad fahren, nicht mehr Teewasser aufsetzen als man auch wirklich verbraucht.

Der komplette Vortrag von Herrn Tolle

Dr. Arnold Tolle

Auch im Bereich Wohnen und Bauen gibt es Handlungsmöglichkeiten für den Einzelnen: Wie positiv sich Passivhäuser auf den Energiehaushalt (und damit auf den Geldbeutel des Verbrauchers) auswirken, erläuterte der Architekt Robert Heinicke, Spezialist für Energieeffizient und hygrothermische Bauphysik. Das Publikum staunte nicht schlecht als Robert Heinicke aufzeigte, das in einem Passivhaus schon die vier Kerzen eines Adventskranzes ausreichten, die Wohnzimmertemperatur konstant auf 20 Grad zu halten.

Architekt Robert Heinicke

Alternativ zu denken und kreative Lösungsmöglichkeiten anzubieten, darin ist auch der Hamburger Weber Andreas Möller ein Meister seines Faches. Eingeladen von der GTZ im Jahr 2009 nach Äthiopien, musste Möller feststellen, dass die dort von der Bundesrepublik oder der US-Aid geförderte Entwicklungshilfe in Sachen Webtechnik nicht funktionierte. Die Webstühle waren schlecht konstruiert, es gab keine Schulung, es fehlte an Material. Und was nützen die besten elektrischen Geräte, wenn kein Stromanschluss vorhanden ist?

Den Flying8-Webstuhl, den der Hamburger daraufhin aus einfachen Dachlatten, Pappe und Tape – und unter Verzicht auf Elektrizität – während eines Aufenthalts in Estland entwickelte und in Äthiopien 2010 erstmals zum Einsatz brachte, hat mittlerweile international Furore gemacht. Hilfe zur Selbsthilfe ist seitdem Möllers Passion: Seit 2013 leitet er Workshops und Schulungen, das erste Mal 2013 Burkina Faso, wo acht Weberinnen und Weber in fünf Tagen zehn Webstühle bauten und lernten an ihnen zu arbeiten. Heute jettet Möller ständig um die Welt, um mit dem Bau Flying8-Webstuhls die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Weberinnen und Weber zu verbessern: Nach Montevideo, Ghana, Uruguay und Indien wurde er schon gerufen, aber auch die Dänen, Holländer und Schweizer haben Interesse an seiner Erfindung.

Weber Andreas Möller mit AdK Vorsitzenden Isabelle Hofmann

Mit nachhaltigen Gewinnungsmethoden von Gold ging es am Nachmittag weiter. Reinhard Bochem, Geschäftsführer der Edelmetall-Scheideanstalt Schiefer & Co und einer der wichtigsten Partner der AdK-Goldschmiede, spannte in seinem Vortrag über „Alle Golde dieser Welt“ einen großen Bogen von der Entstehung des Goldes im All (durch die Explosion von Supernovae), über die größten Vorkommen auf der Erde, bis hin zu der Schürfer-Gemeinschaft in Nord-Finnland, von der die Firma mittlerweile ihr nachhaltig gewonnenes Waschgold bezieht.

Reinhard Bochem von der Scheideanstalt Schiefer Co

Der Hamburger Goldschmied Jan Spille stellte anschließend die unterschiedlichen Gewinnungsmethoden vor, die unter dem Fair-Trade-Siegel gehandelt werden und erläuterte, warum fairer Handel – gerade bei Gold, dem wohl begehrtesten Metall der Menschheit – so bedeutend ist: In den Bergbau-Kooperativen, die nach ökologisch und sozialgerechten Standards nach Gold schürfen, arbeiten Frauen und Männer gleichberechtigt und erhalten faire Arbeitslöhne. Kinderarbeit ist in diesen Kooperativen verboten.

Goldschmied Jan Spille

Vom Gold ginge es dann weiter zum Up-Cycling von Textilien, wobei Peter de Vries, Designer und Lehrbeauftragter in der Klasse Textildesign von Renata Brink an der HAW Hamburg, den Fokus auf das Material Filz lenkte. Hintergrund ist ein Hochschulprojekt, das nun schon drei Jahre zurück liegt: Über mehrere Semester hatten sich die Studierenden der Textil-Klasse experimentell mit industriell hergestellten Wollfilzen, Nadel- und Haarfilzen auseinandergesetzt und innovative Einsatzmöglichkeiten ausgelotet. Genauer gesagt: Mit Abfallprodukten, denn der Filz, den verschiedenen Firmen gespendet hatten, waren Restposten und Verschnitte. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Ob Taschen, Hocker-Oberflächen, Fahrradsattel oder Bildträger – die Studierenden kamen auf die witzigsten Ideen und führten damit vor Augen, wie vielseitig sich dieses Material verwenden lässt. Als Peter de Vries dann etliche Filz-Produkte noch herumreichte, konnten die Teilnehmer selbst erfahren, wie angenehm sich dieser Werkstoff anfühlt – vor allem, wenn er hundertprozentig aus Wolle beseht und damit ein nachwachsender Rohstoff ist.

Peter de Vries

Wenn von Nachhaltigkeit die Rede ist, muss Holzwirtschaft sicher an erster Stelle genannt werden. Bereits 1713 betonte Hanns Carl von Carlowitz (1645-1714), Oberberghauptmann in Kursachsen, wie wichtig es für den Holzanbau sei, „dass es eine kontinuierliche, beständige und nachhaltende Nutzung gebe“. Demnach gilt Carlowitz heute als Begründer der Nachhaltigkeit.

Als Johannes Jürgensen, Tischlermeister und ehemaliger Lehrer an der Berufsschule Holztechnik 2009 den Wettbewerb „Holz bewegt“ ins Leben rief, hatte er dabei die Synthese der drei großen Themen „Holz – Nachhaltigkeit – Design“ im Sinn. Unter dem Titel „Holz ist Leben“ stellten er und sein ehemaliger Schüler, der Architekt Jan-Erik Gerdt, auf dem AdK-Symposium den Wettbewerb vor, dessen Ergebnisse seit 2011 im Museum der Arbeit ausgestellt werden. Ausgezeichnet werden Produkte in den Kategorien Design, Innovation, Produktqualität und Umwelt, in diesem Jahr kam noch der Sonderpreis „Mensch und Raum“ dazu. Der Preis für Umwelt ging übrigens an die Auszubildenden der Hamburger Berufsschule Gsechs für ihren Hocker „Molly“ aus Bugholz. Ein frappierend überzeugendes Design, ohne Zinken und Schrauben und nur 1,4 Kilogramm schwer.

Johannes Jürgensen und Jan-Erik Gerdt

Das letzte Wort hatte dann Jürgen Bönig von der Stiftung Historische Museen Hamburg. „Immaterielles Kulturgut“ war das spannende Thema des Soziologen und Technikgeschichtlers, der einen Tag zuvor gerade sein neues Buch „Karl Marx in Hamburg“ (VSA Verlag) im Rathaus vorgestellt hat. Der von ihm erstmals aufgearbeitete Produktionsprozess von Marx‘ „Kapital“ gehört ebenso zu den immateriellen Kulturgütern, wie die Herstellung der Tier-Reliefs im Alten Elbtunnel 1911 oder die Anfertigung der berühmten Glasfenster der Kathedrale Notre Dame in Chartres. Bönig belegte anschaulich, wie stark der Produktionsprozess das Erscheinungsbild beeinflusst und wie schwierig es ist, Jahrzehnte (geschweige denn Jahrhunderte) später auch nur annähernd gleiche Ergebnisse zu erzielen, wenn nicht alle Details überliefert wurden. Für die originalgetreue Rekonstruktion, bzw. Ausbesserung der keramischen Reliefs des Bildhauers Hermann Perl benötigt man – neben exakten Glasur-Rezepten und Ton-Zusammenstellung – auch die gleiche Brennweise, die zu dem charakteristischem Glasurfluss und den unvergleichlichen Lichtbrechungen der Oberfläche geführt haben. Ein fast hoffnungsloses Unterfangen.

Jürgen Bönig von der Stiftung Historische Museen Hamburg

Auch die unterschiedlichen technischen Arbeitsschritte des „Kapital“, das Korrigieren, Setzen und Revidieren des handschriftlichen Manuskriptes, das Marx 1867 bei dem Hamburger Verleger Otto Meissner ablieferte, hatte Einfluss auf Gestalt und Inhalt des Monumentalwerks, wie Bönig anschaulich erläuterte. Eine hochspannende Geschichte, die es lohnt, einmal ganz in Ruhe nachgelesen zu werden.

 

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„3th International Colony of Ceramic Art, Croatia“ mit Katharina Böttcher

Eingeladen hatte Frane Abramovic zur 3. Kolonie Varbonj, Kroatien dieses Jahr mit 5 Keramikerinnen aus 5 Ländern: Helena Hlušicková, Tschechische Republik, Evelina Herkules Hägglund, Schweden, Betül Kurt, Türkei, Elina Titane, Lettland und Katharina Böttcher, Deutschland. 
Vom 18. bis zum 28. August – 10 Tage auf der wunderschönen dalmatinischen Insel Hvar.

In der Schule von Vrbanj waren Arbeitstische, Werkzeuge, Ton und Ventilatoren für ein bisschen Luftzug bereitgestellt und los ging es. Am ersten Abend zur öffentlichen Präsentation mit einigen Gästen stellte jede von uns ihre Arbeit in einem 15-bis 30-minütigen Vortrag vor. Während der nächsten sechs Tage entstanden unsere tönernen Werke. Ab und zu kamen interessierte Besucher, bewunderten Entstandenes und fragten uns aus über Entstehendes.

Elina Titane, Lettland

Gefäße, Betül Kurt, Türkei

Speerspitzen und Messer, Evelina Herkules Hägglund, Schweden

Gefäß, Obvara, Katharina Böttcher

Auf unserem Programm stand Fische töpfern mit Kindern im Museum von Verbonk. Zwei Tage später ein Tagesausflug mit der Besichtigung einer Lavendel- und Rosmarinölfabrik, mit Museumsbesuch und Stadtrundgang in der Hauptstadt Hvar. Von dort per Boot zur kleinen Insel Parmizano mit Einladung zum Essen in ein Restaurant mit Galerie und Open Air Skulpturenpark und ein erfrischendes Bad im klaren Meer vor abgelegenen Felsen.

Währenddessen wurde die ersten Arbeiten in zwei kleineren Öfen geschrüht, es folgte ein Brand nach dem anderen und letztes Hand anlegen an unvollendete Objekte. In der Zeitung war die Ausstellungseröffnung für unseren letzten Abend um 20 Uhr angekündigt. Den ganzen Nachmittag über richteten wir den Raum her und rechtzeitig um 19.30 Uhr platzierten wir noch warme Objekte auf die Sockel. Nur Helenas Goldbrand brauchte zu lange zum Abkühlen, so dass ihre beiden schönsten Objekte erst am nächsten Tag in der Galerie gezeigt werden konnten.

Katharina Böttcher

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