Der Carolina D’Amico-Preis für zeitgenössisches Kunsthandwerk geht in diesem Jahr an die Goldschmiedin Heike Ahrens, die Keramikkünstlerin Viktoriia Kurganskaia und die Textildesignerin Ulrike Isensee.
Heike Ahrens verbindet in ihrer Goldschmiedekunst traditionelle, uralte Drahttechniken, wie sie bereits bei den Etruskern verwandt wurde, mit einer zeitlos modernen Formensprache. Es ist eine schwierige und langwierige Technik, die heute so gut wie gar nicht mehr praktiziert wird. Golddraht aus 750er Gold, wird durch Häkeln, Flechten, Tordieren, Wickeln, Wellenlegen und Löten zu filigranen Strukturen verarbeitet. Mit der Preisverleihung würdigt die Jury die herausragende gestalterische Präzision und die einzigartige Anmutung der Schmuckstücke, die eine handwerkliche, vom Aussterbend bedrohte Tradition, in meisterhafter Vollendung vor Augen führt und damit auch in die Zukunft trägt.
Heike Ahrens: Kette
Die Keramiken von Viktoriia Kurganskaia entstehen aus einer intensiven Auseinandersetzung mit natürlichen Rohstoffen und den geologischen sowie kulturellen Schichten unserer Erde.
Aus wilden Tonen, Asche, Sand, Kalkstein, Lava und weiteren Naturmaterialien entwickelt sie Gefäße und skulpturale Objekte, die den Entstehungsprozessen der Natur nachspüren und deren Geschichte sichtbar machen. Dabei verschränkt sie Erkenntnisse aus der Archäologie mit künstlerischer Forschung und schafft Arbeiten mit experimentellen Brennverfahren und innovativen Materialkombinationen, die Vergangenheit und Gegenwart, Wissenschaft und Kunst auf eindrucksvolle Weise miteinander verbinden.
Viktoriia Kurganskaia: Weiße Vase
Ihre Werke haben die Jury durch ihre archaische Kraft, ihre poetische Materialität und ihre hohe gestalterische Eigenständigkeit überzeugt. Sie eröffnen neue Perspektiven auf den Werkstoff Keramik und regen dazu an, die Beziehung zwischen Mensch, Natur und kulturellem Erbe neu zu reflektieren.
Ulrike Isensee verbindet in ihren Arbeiten traditionelle textile Techniken mit einer zeitgenössischen künstlerischen Bildsprache und schafft Werke von außergewöhnlicher ästhetischer und handwerklicher Qualität.
Ihre Kunst zeichnet sich durch eine sensible Auseinandersetzung mit Material, Struktur und Farbe aus. Mit großer Präzision und gestalterischer Eigenständigkeit erweitert sie die Möglichkeiten der Textilkunst und verleiht einem traditionsreichen Medium eine unverwechselbare, aktuelle Ausdruckskraft.
Isensee Ulrike: Teppich "Labyrinth", 2025, recyceltes Polyestergarn, getuftet, Durchmesser 140 cm.
Mit ihrer konsequenten künstlerischen Haltung, ihrer Innovationskraft und ihrem hohen Qualitätsanspruch setzt sie Maßstäbe und leistet einen wichtigen Beitrag zur Anerkennung und Weiterentwicklung der zeitgenössischen Textilkunst.
Mit dem Preis würdigt die Jury das herausragende künstlerische Schaffen von Ulrike Isensee.

