Sie war eine unerhört innovative, experimentierfreudige Goldschmiedin und sie war eine starke Frau, die sich nach der Scheidung von dem Bildhauer Klaus Luckey (1934–2001) als alleinerziehende Mutter eine neue Existenz aufbauen musste und in der Koppel 66, dem Hamburger Haus für Kunsthandwerk, fast 30 Jahre ihre künstlerische Heimat fand.
Vor allem aber war sie eine ungewöhnlich liebenswerte Person, die bis ins hohe Alter aktiv war und Freude daran hatte, ihre Kunst und ihr Können weiterzuvermitteln. Dorothee Eymess, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft des Kunsthandwerks Hamburg seit 1973 und zuletzt AdK-Ehrenmitglied, starb 85-jährig am 25.9.2025 infolge eines Unfalls.Ich habe sie leider viel zu spät kennengelernt und viel zu selten in ihrem schönen Atelier in der Koppel 66 besucht. Dorothee liebte dieses Atelier. Und sie liebte die Natur. Ihren Garten in Reitbrook, die Rosen, die sie bis zuletzt pflegte, und die Spaziergänge an der Alster, die nur ein paar Schritte von der Koppel 66 entfernt liegt. Die Natur war ihre Inspirationsquelle, wie sie oft sagte. Mit geschultem Blick sammelte sie Blätter, Blüten, Äste und Samenkapseln, bemalte sie farbenprächtig, manchmal auch in Schwarz und Gold, so dass fast asiatisch wirkende, filigrane Objekte entstanden, die weit mehr waren als nur Deko für ihre ungewöhnlichen Colliers, Ringe und Ohrstecker, organisch anmutende Kombinationen aus Feingold und Silber, Granit, versteinertem Palmholz und Silizium. Sie sammelte auch Sand aus aller Welt, um damit künstlerisch zu experimentieren. Als Goldschmiedin und Malerin hat Dorothee Eymess nie zwischen angewandter und freier Kunst unterschieden. Für sie ergänzten sich die beiden Bereiche hervorragend.
Doch egal, was sie tat, sie tat es mit großer Ernsthaftigkeit und Sorgsamkeit. Ich sehe sie noch vor mir, wie sie in der Adventszeit, wenn wir uns im kleinen Kreis trafen, um die Weihnachtspost zu gestalten und die Briefumschläge zu beschriften, mit ihrer wunderschönen Schrift die Buchstaben regelrecht malte, einen nach dem anderen. Und wie unglücklich sie war, wenn ihr mal eine Zeile, ein Briefumschlag nicht in Vollendung gelang.Dorothee Eymess wurde 1940 in Dresden geboren und studierte Anfang der 1960er Jahre zunächst Malerei und Grafik an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und an der HfBK Berlin, ehe sie eine Ausbildung zur Gold- und Silberschmiedin an der Fachhochschule in Schwäbisch-Gmünd und in der Gold- und Silberschmiedeklasse von Franz Rickert an der Akademie in München mit dem Diplom abschloss. Zwei Jahre lebte sie danach in Paris, hatte ein eigenes Atelier in der Nähe von Montparnasse und arbeitete freischaffend. 1972 zog sie nach Hamburg, Ausstellungen im In- und Ausland folgten, jahrelang war sie eine feste Größe auf der Jahresmesse im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe. 1990 dann bezog sie ihr Atelier in der Koppel 66.Dorothees erklärtes Ziel war es, „fit zu bleiben und zu arbeiten, bis ich umfalle“. Und sie betonte selbst im hohen Alter immer wieder, wie glücklich sie doch sei. Mit ihrer strahlenden, warmherzigen Art gab sie all jenen, denen sie begegnete, von diesem Glück immer ein wenig ab. Die AdK Hamburg trauert um eine wunderbare Künstlerin und einen wunderbaren Menschen.

